Redeflussstörung bei Erwachsenen

Stottern

Als Stottern wird der vorübergehende, momentane Kontrollverlust über den Sprechablauf bezeichnet, obwohl der Sprecher genau weiß, was er sagen will.

Dies äußert sich in Form von Wiederholungen von Lauten oder Silben, von Dehnungen oder Blockierungen vor oder in einem Wort. Diese Kernsymptome können von Mitbewegungen wie starkes Kopfnicken, Verkrampfen der Gesichtsmuskulatur, gepresster Atmung begleitet werden. Symptome, die so häufig auftreten, dass es den Zuhörenden auffällt, die aber auch je nach Situation, Thema, Gesprächspartner oder Verfassung des Sprechers unterschiedlich häufig und stark ausgeprägt sein können. Symptomarme Zeiten können sich mit Phasen stärkerer Symptomatik abwechseln.

 

 

Der Kontrollverlust über das eigene Sprechen kann emotionale Reaktionen wie Wut, Trauer, Scham oder Sprechangst auslösen. Um diese Gefühle zu vermeiden und das Sprechen besser steuern zu können werden verschiedene Strategien angewandt. Der Stotternde vermeidet etwa Sprechsituationen, formuliert um, verändert seine Lautstärke, Sprechmelodie. Gerade aber diese Vermeidestrategien führen zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Eine eindeutige Ursache für das Entstehen von Stottern muss die Wissenschaft noch erforschen. Es gibt ein komplexes Zusammenwirken von mehreren Gründen aus dem hirnorganischen, psycholinguistischen und sozialpsychologischen Bereich. Die landläufige Begründung der „psychischen Ursache“ darf als sehr untergeordnet betrachtet werden und ist niemals allein ein Auslöser für Stottern.

In der Therapie erarbeitet sich jede Patientin, jeder Patient das eigene Konzept, mit der individuellen Situation umzugehen. Nach eingehender Beratung und Diagnostik wird die passende Sprechtechnik gefunden, mit der eine flüssigere Sprechweise erreicht werden kann. So besteht auch die Möglichkeit, Sprechängste und Begleitsymptome langsam wieder abzubauen. Es wird ein Repertoire an Strategien erarbeitet, mit der man auf die verschiedenen Sprechanforderungen reagieren kann. Wenn so ein ausgewogener Umgang mit dem Stottern erreicht ist, kann die Therapie mit dem Angebot auf Beratung bei evtl auftretenden Rückfällen beendet werden.

 

Poltern

Als Poltern bezeichnet man das Sprechen mit phasenweise überhöhter Geschwindigkeit, wodurch die Verständlichkeit durch Auslassen und Verschmelzen von Lauten, Silben oder Wörtern, durch Satzabbrüche, Einschieben von Floskeln und umformulierte Wiederholungen des gleichen Inhalts beeinträchtigt wird.

Die Betroffenen zeigen meist keine gute Wahrnehmung des eigenen Sprechens und die dauerhafte Steuerung z.B. eine Reduzierung der Geschwindigkeit fällt sehr schwer. Dadurch entsteht eine Problematik, gedankliche Inhalte mit den Mitmenschen zu kommunizieren, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.

In der Therapie wird nach Diagnostik und Beratung mit den Patienten ein angemessener Umgang mit der Störung erarbeitet. Polternde können lernen, in wichtigen Sprechsituationen ihr Sprechverhalten zu kontrollieren. Auch die Beratung der Angehörigen über die Ursachen des Verhaltens und den Umgang damit ist wichtiger Bestandteil der Therapie.